Warum gibt es diese Seite überhaupt?
Zum ersten Mal in Kontakt gekommen bin ich mit dem Phänomen "Gewalt gegen Pflegekräfte" vor etwa 10 Jahren. Mein Großvater, damals 83 Jahre alt und stark dement, griff eine Krankenschwester an und verletzte sie erheblich. Er wurde wegen einer anderen Problematik ins Krankenhaus eingewiesen, wachte eines Nachts auf, wusste nicht wo er war und bekam offensichtlich Angst. Die Pflegerin, die ihn beruhigen wollte, hatte in seinem Zustand keine Möglichkeit den Angriff zu verhindern. Er riss sich seine Zugänge aus dem Arm und ging auf sie los, dann "flüchtete" er durch ein Fenster und wurde später an einer ganz anderen Stelle wieder aufgefunden. Er erinnerte sich nicht mal an den Vorfall.
Gut, zu dieser Zeit sah ich das als Tragödie an, auch familiär, beschäftigte mich aber nicht weiter damit. Erst als meine Frau, ihres Zeichens Berufsschullehrerin für Sozialpädagogik, mich fragte, ob ich nicht einen Kurs für ihre Schülerinnen und Schüler anbieten könnte, um sie wenigstens ein wenig zu rüsten. Schließlich unterrichtete ich bereits seit geraumer Zeit Jugendliche und Erwachsene in Kung Fu, da sollte es mir doch möglich sein, solch einen Anfängerkurs durchzuführen. Gesagt, getan, eine Gruppe von 15 Menschen zwischen 20 und 50 Jahren, Auszubildende für Pflegeberufe, kamen zu mir und wir trainierten grundlegende Techniken.
Das war aber nicht das entscheidende, sondern es waren die Gespräche mit diesen Auszubildenden, in denen sie mir berichteten, was auf Station teilweise wirklich geschieht. Von demenzkranken Patienten, die aggressiv sind über Psychotiker und Menschen, die einen Entzug machen bis hin zu den "normalen" Übergriffigen war alles vertreten. Da wurde mir zum ersten Mal klar, dass die Tat meines Großvaters keineswegs ein bedauerlicher Einzelfall war, sondern dass dies in ähnlicher Weise sehr häufig vorkommt, überall, in jeder Altersgruppe und Geschlecht. Es betrifft Krankenhäuser, Alten- und Pflegeeinrichtungen, Psychiatrien. Und wenn man den Bogen weiter spannt landet man schnell bei Sozialarbeitern, Behörden und Schulen, eben überall dort wo Menschen sozial mit anderen interagieren müssen.
Ein paar Jahre gab ich den Schülern meiner Frau also solche Einstiegskurse in Selbstverteidigung, aber mir war klar, dass ein einzelner Kurs keine langfristige Wirkung haben wird, wenn nicht alles Erlernte regelmäßig geübt wird. Langsam reifte also der Gedanke hier Abhilfe zu schaffen. Es müsste etwas sein, was erstens funktioniert, was zweitens leicht zu erlernen ist und was drittens orts- und zeitunabhängig gemacht werden kann, denn häufig arbeiten Menschen in diesen Berufen in Schichtsystemen. Sie können nicht einfach einen Kurs bei sich vor Ort machen, weil sich ihre Arbeitszeiten unter Umständen wöchentlich ändern.
Die Idee eines E-Learning Programms war geboren und dies ist das Resultat. Ich bin mir sicher, dass es sich für Sie auszahlen wird, auch wenn ich insgeheim hoffe, dass Sie es niemals brauchen.